9 Wochen Ferien. 5 Wochen Urlaub. Die Mathematik, die uns Mütter jeden Sommer wieder einholt.

Neun Wochen Sommerferien. Fünf Wochen gesetzlicher Mindesturlaub, wenn überhaupt. Das sind vier Wochen, die irgendwie verschwinden müssen, jedes einzelne Jahr, ganz automatisch, so als wäre das völlig normal.

Ist es aber nicht. Es ist eine Rechnung, die einfach nicht aufgeht. Und trotzdem sitzen wir jeden Frühling wieder da und versuchen, sie irgendwie zum Aufgehen zu bringen.

Die Lücke, über die keiner spricht

In Österreich stehen Arbeitnehmenden gesetzlich 5 Wochen bezahlter Urlaub pro Jahr zu, also 25 Arbeitstage bei einer Fünf-Tage-Woche. Die Sommerferien dauern je nach Bundesland rund 9 Wochen. Diese Differenz muss jede Familie irgendwie selbst auffangen, ohne dass es dafür ein System gibt.

Kindergarten, Schule, Hort, das läuft übers Jahr in festen Strukturen. Und dann kommt der Sommer, und plötzlich ist nichts mehr geregelt.

Wer diese Rechnung eigentlich löst

Die Zahlen von Statistik Austria zeigen ziemlich deutlich, wer diese Lücke in der Praxis schließt. 2021 lag die Teilzeitquote bei Frauen mit Kindern unter 15 Jahren bei 72,8 Prozent. Bei Männern mit Kindern im selben Alter waren es 6,8 Prozent.

Das ist kein kleiner Unterschied, das ist fast der ganze Unterschied. Und der häufigste Grund, den Frauen selbst für ihre Teilzeitarbeit angeben, sind Betreuungspflichten, mit 40,1 Prozent der Fälle. Bei Männern liegt dieser Grund bei 7,2 Prozent.

Dazu kommt die unbezahlte Arbeit, die nirgends in einer Gehaltsabrechnung auftaucht. Frauen leisten in Österreich im Schnitt täglich rund 4 Stunden 19 Minuten Care-Arbeit, Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt. Männer kommen auf 2 Stunden 29 Minuten. Fast zwei Stunden Unterschied, jeden einzelnen Tag.

Was das am Ende kostet

Diese Teilzeitjahre sind kein neutraler Zeitausgleich. Sie haben einen Preis, und der zeigt sich später sehr konkret. Der Gender Pay Gap lag 2024 bei 17,6 Prozent, Frauen verdienten also pro Stunde brutto deutlich weniger als Männer. Ein Teil davon lässt sich durch Teilzeit, Branche und Beruf erklären, ein großer Teil bleibt strukturell und schlicht unerklärt.

Langfristig setzt sich das bis in die Pension fort. Die geschlechtsspezifische Pensionslücke in Österreich liegt bei über 41 Prozent. Wer in den Betreuungsjahren reduziert, zahlt diese Rechnung also nicht nur im Sommer, sondern noch Jahrzehnte später.

Das hier ist meine ehrliche Meinung dazu

Fünf Wochen Urlaub reichen nicht. Und das gilt nicht nur für Mütter. Ich glaub, das reicht für niemanden, egal ob mit oder ohne Kinder. Wir haben ein Konstrukt gebaut, in dem das ganze Leben um die Arbeit kreist, statt dass die Arbeit ein Teil vom Leben ist.

Ich wünsch mir für alle Menschen eine Arbeit, die sich nicht wie Arbeit anfühlt. Etwas, das du liebst, das zu dir passt, das dir Zeit lässt für das, was wirklich zählt. Reisen. Zeit mit deinen Kindern, ohne die Uhr im Kopf. Leben, nicht nur funktionieren zwischen zwei Urlaubswochen.

Das ganze Konstrukt gehört überarbeitet, nicht nur die Verteilung der Ferienwochen. Das ist eigentlich ein Thema für einen eigenen Artikel, den schreib ich dir bald.

Warum das kein persönliches Organisationsproblem ist

Ich weiß, dass wir Frauen großartig sind. Wir wuppen alles, wir organisieren, wir behalten den Überblick, selbst wenn neun Wochen Sommer und fünf Wochen Urlaub einfach nicht zusammenpassen wollen.

Aber genau das ist nicht der Punkt. Es geht nicht darum, noch besser zu organisieren, noch mehr zu leisten, noch mehr auszuhalten. Es gibt draußen andere Wege, andere Modelle, andere Möglichkeiten.

Ich möchte, dass Frauen endlich aufhören, sich unter ihrem Wert zu verkaufen. Dass sie sich diese Rechnung nicht mehr einfach gefallen lassen, sondern anfangen, nach neuen Perspektiven zu suchen. Für sich selbst, nicht für ein System, das zufällig so gebaut ist, wie es gerade ist.

Fünf Wochen Urlaub reichen für ein Leben ohne Kinder nicht wirklich, und für ein Leben mit Kindern erst recht nicht. Laut den Zahlen oben ist das für fast drei Viertel der Mütter in Österreich die Realität.

Was tatsächlich hilft, wenn du selbst mittendrin steckst

Ganz konkret, drei Ansätze, die in der Praxis funktionieren, unabhängig vom eigenen Modell:

Urlaub früh im Jahr planen, nicht erst im Mai, wenn die guten Wochen bei Ferienlagern und Großeltern schon vergeben sind. Betreuung patchworken statt eine einzige Lösung zu suchen, eine Mischung aus Camp, Großeltern und eigenem Urlaub trägt oft besser als der Versuch, alles allein zu stemmen. Und wo möglich, mit dem Partner oder der Partnerin die Betreuungswochen wirklich hälftig aufteilen, nicht nur in der Theorie, sondern im Kalender festgeschrieben.

Was bei mir anders läuft, und warum

Ich sag nicht, dass ich die Lösung für alle hab. Aber bei mir sieht der Sommer anders aus, seit ich mich für ein anderes Businessmodell geöffnet hab. Eines, in dem ich meine Zeit selbst einteile und neben meinen Kindern arbeite, statt gegen sie an.

Ich kann verschieben, wenn ein Kind krank wird. Ich kann von unterwegs arbeiten, wenn wir bei den Großeltern sind. Ich muss keine vier Wochen unbezahlt nehmen oder mich schlecht fühlen, weil ich einen Nachmittag lieber am See bin statt im Büro. Die Arbeit fühlt sich für mich nicht mehr wie Arbeit an, sie ist einfach Teil von meinem Leben geworden, nicht der Gegenspieler dazu.

Das war nicht immer so. In der Agentur war der Sommer der reinste Ausnahmezustand, jedes Jahr aufs Neue.

Was mich am meisten trägt: ich bin damit nicht allein. In meinem Team begleite ich mittlerweile über tausend Frauen, und ganz viele davon sind aus genau diesen Gründen eingestiegen. Mutter sein, Kinder betreuen, und trotzdem am Monatsende zu wenig übrig haben. Viele von ihnen haben genau das in ihrem Leben verändert.

Das heißt nicht, dass es für jede die Lösung ist. Aber für sehr viele war es einer. Es braucht nur die Offenheit, sich darauf einzulassen. Vielleicht ist es auch für dich der Anfang von etwas anderem. Mehr dazu, wie sich mein Alltag seitdem verändert hat, erzähl ich hier.

Die eigentliche Frage

Vielleicht ist die Frage nicht, wie wir die neun Wochen besser organisieren. Vielleicht ist die Frage, warum ein Modell, das mit den Ferien mitgeht, immer noch die Ausnahme ist und nicht die Regel.

Ich glaub, darüber lohnt es sich nachzudenken, bevor der nächste Sommer wieder einfach über uns kommt. 🌿

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